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Mit einer Aktie erwirbt man einen Sachwert in inflationären Zeiten
Erscheinungsdatum:
01. Juni 2023
Aufgrund zahlreicher Auszeichnungen der Qualität der Vermögensverwaltung gilt die FIDUKA-Depotverwaltung als einer der besten Asset Manager im deutschsprachigen Raum. Im Interview spricht Portfoliomanager und Prokurist Thomas Graf über die einfache Investitionsstrategie des von André Kostolany gegründeten Hauses und darüber, wie schwer es Anlegern in Deutschland gemacht wird, sich erfolgreich an der Börse zu betätigen.
Thomas Graf: Der Markt schwankt häufig zwischen grenzenloser Euphorie und totaler Depression. André Kostolany hat für die Kapitalanlage wertvolle Tipps gegeben, um den Anlegern zu zeigen, wie man mit diesen Extremen umgeht. Gottfried Heller ist als Value-Investor Anhänger von Warren Buffett und dessen Lehrmeister Benjamin Graham. Wir als FIDUKA orientieren uns an dem späteren Buffett, der sehr stark auch von seinem Mitstreiter Charlie Munger beeinflusst worden ist.
Wie diese erfolgreichen Investoren suchen wir Qualitätsunternehmen, die sich am Markt zu einem günstigen Preis erwerben lassen. Wir sehen uns weniger als Aktienkäufer, sondern als Käufer von Unternehmen.
Inwiefern fließen diese Ansätze in den von Ihnen beratenen Klassiker, den FIDUKA-UNIVERSAL-FONDS I, ein?
Graf: Wir suchenherausragende Unternehmen zu einem günstigen Preis. Denn, wie Warren Buffett oft gesagt hat, ein gutesUnternehmen ist nicht immer ein gutes Investment – der Preis muss stimmen. Diese gesuchten Unternehmen sollten in der Lage sein, über den gesamten Wirtschaftszyklus Geld zu verdienen. Dank ihrer Produkte, Dienstleistungen oder Marken sollten sie eine exzellente Stellung im Markt haben, die nur schwer angreifbar ist. Mit einer soliden Bilanz und gutem Management ausgestattet, sind das dann die Unternehmen, nach denen wir Ausschau halten.
Ein in Deutschland wenig bekanntes Beispiel für ein solches Unternehmen ist O'Reilly Automotive, ein weltweit aufgestellter US-Autoteilehändler. Hier sind wir schon einige Jahre lang investiert. Daneben halten wir Großunternehmen wie Linde, Microsoft und die Münchener Rück.
Bei Letzterer sind auch die Dividenden interessant.
Graf: Das ist für uns weniger relevant. Es handelt sich dabei auch immer um Gelder, die aus dem Unternehmen herausfließen. Tendenziell ist es uns lieber, wenn die Unternehmen mit den Erträgen etwas Sinnvolles anfangen und es reinvestieren.
In welchen Sektoren werden Sie besonders fündig?
Graf: Wir interessieren uns tendenziell für defensive, nichtzyklische Unternehmen: Im Fokus stehen der nichtzyklische Konsum und ausgewählte Titel aus der Tech-Branche. Der Schwerpunkt liegt dort, wo sich qualitativ hochwertiges Wachstum findet. Banken hingegen mögen wir nicht so.
Geben Sie uns doch bitte noch einen genaueren Einblick, auf welche Branchen Sie innerhalb des Tech-Sektors setzen.
Graf: Ein Schwerpunkt ist definitiv Cyber-Security. Dieses Thema wird uns langfristig begleiten. Das Thema Cloud ist wichtig. Halbleiter ebenso. Wir sind in ASML, NXP und Infineon investiert. Bei kleineren Chipindustrie-Ausrüstern sind wir vorsichtig, weil sich nur schwer einschätzen lässt, inwieweit deren spezifische Produkte dauerhaft für den Markt relevant sind. Von Social-Media-Aktien lassen wir die Finger, da dies, so hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, Trendthemen sind, die schnell wieder an Bedeutung verlieren. Selten sind die dahinterstehenden Unternehmen noch in zehn Jahren relevant. Wir wollen, kurz gesagt, gut verstehen, was die Unternehmen machen und ein gutes Gefühl bei den Unternehmen haben, die wir für den FIDUKA-UNIVERSAL-FONDS empfehlen.
Warum sollten Anleger den Fonds jetzt in den Blick nehmen?
Graf: Zum Market Timing hat jeder seine eigene Ansicht. Wer in einen Fonds investieren will, der in Qualitätsunternehmen investiert, ist im FIDUKA-UNIVERSAL-FONDS I (ISIN: DE0008483736) gut aufgehoben. Ich sag’s mal mit Kostolany: „Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen.“ Wer investieren will, steigt am besten gestaffelt, z.B. über mehrere zeitlich verteilte Einmalanlagen oder auch einen regelmäßigen Sparplan in den Markt ein.
Wofür hat der Fonds ein Fünf-Sterne-Rating von Morningstar bekommen?
Graf: Die Morningstar-Nomenklatur richtet sich nach der Vergleichsgruppe. Und da schneiden wir seit Jahren mit dem FIDUKA-UNIVERSAL-FONDS überdurchschnittlich gut ab. Der Fonds gehört zu den besten 10 Prozent in der jeweiligen Vergleichsgruppe – und zwar in allen Zeiträumen von drei, fünf und zehn Jahren. Darauf sind wir sehr stolz.
Fünf Sterne vergeben die Anleger auch der regelmäßig stattfindenden Reihe der „Kostolany Börsenseminare“. Welche Themen interessieren aktuell besonders?
Graf: Wir decken in den ganztägigen Börsenseminaren ein breites Themenspektrum ab. Wichtig ist natürlich derzeit das Thema Inflation. Ein weiteres großes Thema, das aktuell viele in Deutschland interessiert, ist der Bereich Energieversorgung. Hinzu kommen geopolitische Fragestellungen wie der Ukraine-Krieg oder Taiwan.
Erinnern Sie sich noch an eine besonders schöne Anekdote aus der Zeit des berühmten Börsenaltmeisters Kostolany bei FIDUKA?
Graf: Ich muss gestehen, dass ich hierzu keine Informationen aus erster Hand liefern kann. Als ich zum ersten Mal den Fuß auf FIDUKA-Boden gesetzt habe, war Kostolany schon einige Jahre tot. Ich bin aber schon über 15 Jahre bei FIDUKA und kenne natürlich die Überlieferungen des Altmeisters, die er zu Lebzeiten in vielen Büchern niedergelegt hat. Was ihm und Gottfried Heller, den Kostolany für die FIDUKA engagiert hat, wichtig war, war die Aufklärung über den Markt und die Börse. Es ist erschreckend, wie wenig Finanzwissen die Menschen in Deutschland haben – und es ist in den vergangenen Jahren nicht deutlich besser geworden. Daran hat leider auch die Politik einen großen Anteil. Unsere „Kostolany Börsenseminare“ wollen Licht ins Dunkel bringen.
Viele Anleger sind unsicher, was sie aus der aktuellen Marktlage machen sollen. Was würden Kostolany und Heller den Anlegern raten?
Graf: Kostolany hat mal gesagt: „Das Geld verdient man an der Börse nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Sitzfleisch.“ Da ist einiges dran. In der aktuellen Phase der Hochinflation ist es wichtig, in Sachanlagen zu gehen. Es ist wichtig zu verstehen, dass hinter Aktien die jeweiligen Unternehmen stehen und es somit Sachanlagen sind. Das ist eines der Hauptprobleme im Hinblick auf Investitionen an der Börse in Deutschland. Aktien werden nicht als das gesehen, was sie sind, nämlich Anteile von Unternehmen. Stattdessen wird die Börse als Spielcasino bezeichnet. Bei Immobilien kauft man ja auch nicht den Kaufvertrag, sondern die Immobilie, die dahintersteht. Genauso ist es mit Aktien. Sie kaufen ja nicht ein Papier, sprich die Aktie, sondern einen Teil des Unternehmens. Man erwirbt also einen Sachwert in inflationären Zeiten. Kostolany hat einmal gesagt „Inflation ist die Hölle für Gläubiger und das Paradies für Schuldner“.
Bezieht man das auf die eigene Geldanlage, sollte man sicherstellen, dass man nicht sein Geld auf dem Konto ruhen lässt, wo man Gläubiger für Banken ist, oder – bei Anleihen – Gläubiger von Staaten und Unternehmen. Hier wird gutes Geld irgendwann mit schlechtem zurückgezahlt. Gerade in den unsicheren heutigen Zeiten ist es unabdingbar, sich mittels Aktien von Qualitätsunternehmen am Produktivkapital der Welt zu beteiligen. Man muss dabei akzeptieren, dass der Markt schwankt. Dazu noch eine meiner Lieblingsweisheiten von Kostolany „An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1.“ Man muss nur die Nerven haben, das minus 1 auszuhalten, sei es psychologisch oder finanziell, lehrte Kostolany.
Wie lange bleibt uns das inflationäre Umfeld erhalten?
Graf: Es wird sicherlich noch eine ganze Weile dauern, bis wir wieder Inflationsraten sehen, die wir vor dem Anstieg gewohnt waren. Vieles hängt davon ab, wie die Wirtschaft auf die Zinserhöhungen und andere politische Maßnahmen reagiert. Kommt die Rezession, werden die Zinsen wieder gesenkt. Schrammen wir an der Rezession vorbei, bleibt uns das hohe Zinsniveau noch einige Zeit erhalten. Wir sehen derzeit, wie die Preisspirale sich schneller zu drehen beginnt: Die Tarifverhandlungen in Deutschland sehen durch die Bank prozentual zweistellige Aufschläge auf die bisherigen Löhne vor. Das macht es der Inflation dann schwierig, wieder auf den Zielkorridor der Notenbanken von 0 bis 2 Prozent einzuschwenken.
Thomas Graf ist als Portfoliomanager und Prokurist bei der FIDUKA-Depotverwaltung tätig. Der zertifizierte Stiftungsmanager ist seit Oktober 2007 an Bord.
Hinweis: Dieses Interview erschien erstmals auf dasinvestment.com und ist in Kooperation mit DAS INVESTMENT entstanden.