Beitrag Drucken
PARTNER NEWS
Zwischen Anlegerdiskurs und Anlegerromantik
Erscheinungsdatum:
17. Oktober 2025
Auf der Barkasse „St. Pauli“ traf an einem goldenen Herbstnachmittag in Hamburg Montrusco Bolton in Kooperation mit dem private banking magazin auf Vertreter von Family Offices, Private Banker und Investoren, um über Aktien, Bewertungen und Chancen zu sprechen. Es war eine Fahrt mit Aussicht – auf die Elbe, auf die Märkte und auf das, was aktives Investieren heute bedeutet.
Gemeinsam mit Family Officers, Private Bankern und den Portfolio Managern Robert Hiscock und Simon Tremblay von Montrusco Bolton sowie Stefan Welk von Universal Investment legten wir auf der Barkasse „St. Pauli“ ab.
Die Sonne, der leichte Fahrtwind und der unverstellte Blick auf Hamburg schufen den perfekten Rahmen für ein Gespräch über Aktienbewertungen, Compounding, technologische Dominanz und den Sinn des aktiven Investierens.
Zwischen Anlegerdiskurs und Anlegerromantik wurde schnell klar: Wenn Kanadier über Qualität, Disziplin und Distanz sprechen, klingt das nicht nur nach guter Kapitalanlage, sondern auch nach nordischer Gelassenheit.
Robert Hiscock, Portfolio Manager von Montrusco Bolton: „Wir investieren dort, wo Wachstum sich selbst finanziert“
Sie sprechen oft von „Qualitätswachstum“. Erklären Sie uns, was Sie darunter verstehen, gerade im Kontext von Technologieunternehmen.
Robert Hiscock: Für uns bedeutet das: nachhaltige, stetig wachsende Cashflows, die auf soliden ökonomischen Strukturen basieren. Wir achten auf hohe Bruttomargen, Skalierbarkeit, eine starke Rendite auf investiertes Kapital, disziplinierte Kapitalallokation und wiederkehrende Umsätze. Genauso wichtig ist eine geringe Kundenabhängigkeit und eine widerstandsfähige Bilanz. Am Ende suchen wir Firmen, die auch in schwierigen Zeiten ihr Wachstum selbst finanzieren können.
Viele der großen US-Tech-Namen – die berühmten „Magnificent Seven“ – werden derzeit zu sehr hohen Multiples gehandelt. Für manche Anleger wirkt das wie ein Warnsignal.
Hiscock: Entscheidend ist, ob man zwischen „teuer, aber gerechtfertigt“ und „teuer ohne Fundament“ unterscheiden kann. Wir vergleichen Bewertungen stets mit der Historie, mit Peers und mit dem Gewinnwachstumsprofil. Natürlich gibt es Titel, die überzogen wirken. Aber andere – etwa Nvidia oder Microsoft – sind trotz ihrer Kursrallys weiterhin attraktiv, weil ihre Wachstumsaussichten außergewöhnlich sind. Von den Extremen der Dotcom-Blase sind wir weit entfernt.
Sie betonen häufig die Rolle von Katalysatoren bei der Titelauswahl.
Hiscock: Richtig. Der Markt extrapoliert gern Vergangenes. Wir suchen nach den Wendepunkten, die noch nicht eingepreist sind – das können Veränderungen bei Margen, Preissetzungsmacht oder die Einführung eines Produkts sein. Unsere Analysen von Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsketten zielen genau darauf ab, solche Momente frühzeitig zu erkennen.
Gleichzeitig entwickelt sich Technologie oft nicht linear, sondern mit disruptiven Sprüngen.
Hiscock: Deshalb modellieren wir Szenarien, die regulatorische, wettbewerbliche oder technologische Risiken berücksichtigen. Wir fragen uns: Wie schnell könnte ein Burggraben erodieren? Welche Rolle spielen Open-Source-Lösungen, welche regulatorischen Unterschiede gibt es je nach Region? Je höher das Risiko, desto kleiner das Gewicht in unserem Portfolio.
In Ihrem Portfolio spielen die Magnificent Seven eine wichtige Rolle.
Hiscock: Ja, wir halten aktuell fünf der sieben, allerdings mit unterschiedlichen Gewichtungen. Wir sind überzeugt von ihrer Dominanz – gleichzeitig bleibt Diversifikation entscheidend. Unser Job ist es, Überzeugung mit Risikomanagement auszubalancieren.
Dabei legen Sie Wert auf einen neutralen Stil, ein Beta von rund eins.
Hiscock: Genau. Trotz hoher aktiver Anteile halten wir sektor- und regionenbezogen die Balance. In schwachen Märkten erhöhen wir unser Beta, in starken Märkten reduzieren wir es. So bleibt die Abweichung vom Benchmark gering, ohne unsere Überzeugungen zu verwässern.
Und wie gehen Sie mit globalen Chancen außerhalb der USA um?
Hiscock: Unser Ansatz ist benchmarkorientiert, was bedeutet, dass wir auf Portfolioebene branchen- und regionenunabhängig bleiben wollen. Natürlich gibt es spannende Chancen in Europa oder Asien, aber Disziplin heißt auch: Wir investieren konsistent nach unserem Ansatz. Das hat uns langfristig stark gemacht.
ESG ist inzwischen ein fester Bestandteil vieler Investmentprozesse. Wie bei Ihnen?
Hiscock: ESG ist in unserem Screening verankert. Manche Unternehmen schaffen es nicht ins investierbare Universum – Uber war zum Beispiel lange ausgeschlossen wegen Governance-Themen. Und wir wollen Unternehmen im Portfolio haben, die auch gesellschaftlich verantwortungsvoll handeln.
Blicken wir auf die großen Risiken: Zinsen, Inflation, Geopolitik.
Hiscock: Wir sind Stockpicker, aber Makro darf man nicht ignorieren. Unser Fokus auf Qualität reduziert die Empfindlichkeit gegenüber Zinsen und Inflation. Bei Geopolitik achten wir darauf, uns nicht zu sehr von US–China-Spannungen oder möglichen Zöllen abhängig zu machen. Kein Portfolio ist immun, aber wir berücksichtigen diese Faktoren in unseren Entscheidungen.
Und wie schützen Sie sich vor Rückschlägen?
Hiscock: Nicht mit Derivaten – wir sind Long-only. Unser Schutz liegt in der Qualität der Unternehmen. In der Vergangenheit haben wir in Abschwüngen unsere Benchmarks übertroffen. Das zeigt: Qualität federt Verluste ab.
Welche Trends sehen Sie aktuell als unterschätzt?
Hiscock: Ganz klar: Künstliche Intelligenz. Wir stehen erst am Anfang. General AI wird irgendwann folgen, aber schon heute entwickelt sich das Feld mit rasanter Geschwindigkeit. Alle großen Player investieren massiv. Und selbst nach Neubewertungen sehen wir noch attraktive Chancen. Weiter in die Zukunft gedacht: Quantencomputing – aktuell nur über die großen Plattformen investierbar, aber ein potenziell transformierendes Thema.
Kritiker fragen oft nach den Kosten. Warum aktives Management, wenn passive Strategien den Markt ohnehin breit abbilden?
Montrusco Bolton: Passiv hat in den letzten Jahren vom Momentum profitiert. Doch am Ende zählen Qualität und Fundamentaldaten. Unsere Aufgabe ist es, Portfolios zu bauen, die auch in schwierigen Märkten über den institutionellen Anforderungen liegen. Unsere Historie zeigt, dass wir das schaffen. Und wenn das Momentum-Marktumfeld endet, wird sich aktives Management wieder besonders auszahlen.
Lassen Sie uns den Blick ein wenig von den Märkten lösen. Sie steuern Ihr Geschäft von Kanada aus – weit weg von New York oder London.
Hiscock: Für Large-Caps in entwickelten Märkten ist das kein Nachteil. Wir reisen, wenn wir Gespräche führen wollen. Im Gegenteil: Kanada erlaubt uns, über die USA hinaus starke Partnerschaften aufzubauen. Der einzige kleine Nachteil ist die Distanz zu manchen Investoren – aber auch das lässt sich mit Reisen leicht ausgleichen.
Manche würden sagen: Diese Distanz bringt sogar Vorteile.
Hiscock: Ja, absolut. Wir sind weniger im täglichen Lärm gefangen und können die Märkte klarer sehen. Weniger Herdentrieb, mehr Perspektive.
Welche Erfahrungen haben Sie als Investor am meisten geprägt?
Hiscock: Mein Hintergrund in Ingenieurphysik hat mir eine analytische Strenge gegeben, die bis heute wichtig ist. Darüber hinaus prägen einen sowohl Erfolge als auch Fehler – wir haben einen Prozess, aus Fehlern systematisch zu lernen. Und nicht zuletzt: der Aufbau eines vielfältigen Teams. Unterschiedliche Perspektiven führen zu besseren Entscheidungen.
Und wie halten Sie die Balance zwischen Zahlenanalyse und Intuition?
Hiscock: Man braucht beides. Modelle und Zahlen bilden die Basis, aber Erfahrung und Bauchgefühl sind entscheidend, wenn es um Managementqualität oder strategisches Urteilsvermögen geht. Diese Mischung macht erfolgreiches Investieren aus.
Abseits von Märkten und Bilanzen – wie schaffen Sie sich Ausgleich?
Hiscock: Meine junge Familie erdet mich und lenkt meinen Blick weg von den Märkten. Und ich pflege ein aktives soziales Leben mit Freunden aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Das hilft mir, den Kopf freizubekommen und mit frischer Perspektive zurückzukommen.
Hinweis: Dieses Interview ist in Kooperation mit dem private banking magazin entstanden und erstmals am 7.10.2025 erstmals auf private-banking-magazin.de erschienen.
In diesem Zusammenhang wird ein Pauschalangebot zum Rückkauf oder zur Rücknahme sämtlicher entsprechender Anteile, die von Anlegern in dem entsprechenden Mitgliedstaat gehalten werden, abgegeben. Bei einer Anlage in einen Fonds handelt es sich um eine risikobehaftete Anlage, so dass die Anleger des Fonds einen Wertverlust bis zu einem Betrag erleiden können, der einem Totalverlust des gesamten in die Anteile an dem Fonds investierten Kapitals entspricht. Dementsprechend sollten potenzielle Anleger über eine angemessene und ausreichende Liquidität verfügen, um einen Totalverlust ihrer Anlage in den Fonds wirtschaftlich tragen zu können.